Der Afrika-Kunst-Sammler

Warum sammeln Sie gerade afrikanische Kunst Herr Klimmt?

 

Abgesehen von der ganz simplen Tatsache, dass ich einfach zu der Spezies Sammler gehöre, wie man sie überall auf den verschiedensten Gebieten findet, hat mich eine Mischung von ästhetischer Bewunderung und Neugier auf eine andere, fremde Welt dazu gebracht. Die Begeisterung für Afrika erfasste schon den kleinen Jungen, der die Berichte der Forscher verschlang – das Sanella Album Afrika will ich nicht verschweigen -, das von meinem Bruder in meinen Besitz übergegangene Buch über die erste Durchquerung der Sahara mit dem Automobil, das Webervogelnest, das über meinem Bett hing, die Speerspitzen, die mein älterer Bruder mir schenkte, und dann die erste Figur, 1958 in Brüssel vom Taschengeld erstanden. So formte sich mein erstes Bild von Afrika.

Richtig zu sammeln begann ich, nachdem mein Leben festere Konturen gewonnen hatte und die finanziellen Ressourcen es erlaubten.

Anfangs, seit 1980, erwarb ich zwei bis drei Stücke im Jahr, später erhöhte sich die Frequenz. Reliefierte Türen, Masken und Paardarstellungen waren die bevorzugten Motive. Türen sind doppeldeutig, öffnen und schließen. Masken geben der Realität andere Gestalt, verzaubern sie. An den Paaren reizt mich die Variation des Gleichen in der Doppelung. Zu jedem Stück habe ich eine Beziehung, ich weiß, wann und wo ich es erworben habe. Es sind Individuen, Lebensgefährten.

 

Was motiviert Sie, ihre Sammlung auszustellen?


Warum zeige ich sie her? Eitelkeit? Vielleicht. Wichtiger aber ist mir ihre Eigenschaft, Botschafter ihrer Kultur und ihrer Länder zu sein. Sie beweisen, dass die Künste überall auf der Welt zuhause sind. Ihre Ausdruckskraft und ihre Schönheit helfen, Vorurteile zu überwinden. Nicht die Resonanz bei den Experten ist das Entscheidende, das Staunen und die Bewunderung der unbefangenen Besucher ist das wichtigste und schönste Ergebnis. In St. Petersburg waren es über 6.000 Besucher, die zum allerersten Mal afrikanischer Kunst gegenüber standen. Ihr Staunen, ihre Bewunderung entsprachen genau der Absicht, ein Statement gegen die leider in vielen Ländern  der Welt aktuell wieder zunehmende Fremdenfeindlichkeit und gegen Rassismus zu setzen.

 

Nach welchen Kriterien treffen Sie Ihre Auswahl?


Für mich gilt: Ich sammle afrikanische Kunstobjekte unter dem Gesichtspunkt ihrer ästhetischen Qualität nach meinem Geschmack. Er mag in manchen Augen nicht der beste sein, aber ich habe keinen anderen. Ich suche nach Werken, die für mich den Zauber ihrer Heimat, die Aura ihrer Kultur beinhalten.

Ich erkenne an, dass mit dem höheren Alter einer Skulptur oder einer Maske eine besondere Aura verbunden ist, das heißt aber noch lange nicht, dass jüngere Exemplare nicht wert wären, gezeigt und bewundert zu werden.

Wie wohl jeder Sammler versuche auch ich, möglichst viel über ein Objekt zu erfahren, wann, wo, von wem gefertigt, von wem gesammelt, von wem gewürdigt? Eine Maske, die bei Einstein abgebildet ist, die Frobenius gesammelt hat, die (legal) aus Museumsbeständen stammt, genießt zu Recht besondere Aufmerksamkeit, wir würden aber unseren eignen Horizont beschränken, wenn wir nicht nach neuen Entdeckungen und Erfahrungen suchen würden. Es sind die „eigenen Augen“ des Anderen, die uns oftmals weiterhelfen können.